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Business Branchenbuch Deutschland

Nachtflugverbot Berlin

Um tiefer in die Materie einzugreifen, müssen zunächst beide Seiten, also die direkten Betroffenen, näher beleuchtet werden. Dies gelingt am besten mittels einer Analyse der aktuellen Situation. An allen drei Berliner Flughäfen gelten derzeit unterschiedliche Regelungen bezüglich des Nachtflugverbotes. 
Zunächst wird der Flughafen Berlin Tegel näher betrachtet. Hier besteht ein siebenstündiges Nachtflugverbot von 23:00 bis 06:00, welches zuletzt aufgrund der unpünktlichen Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg International gelockert wurde, sodass ein erhöhtes Nachtflugaufkommen herrscht. Am meisten betroffen sind die Anwohner in Tegel und Spandau. Derzeit beträgt ihre Nachtruhe circa sechs Stunden.

Am Flughafen Berlin Schönefeld gibt es überhaupt kein Nachtflugverbot, allerdings ist das Passagieraufkommen an diesem Airport um die Hälfte geringer als am Flughafen Berlin Tegel. Hiervon nicht betroffen sind die Anwohner des Berliner Südwestens, da die Flugrouten des Flughafens Schönefeld dieses Gebiet meiden.

Der noch nicht eröffnete Flughafen Berlin Brandenburg International sieht bezüglich des Nachtflugverbotes eine Regelung vor, die besagt, dass zwischen 24:00 und 5:00 keine Flugzeuge starten und/oder landen dürfen, wobei in den jeweiligen Randzeiten ein geringfügigeres Flugaufkommen herrschen soll. Die Flugpause beträgt 5 Stunden, also zwei Stunden weniger als am Flughafen Berlin Tegel. Dabei wird das Passagieraufkommen am Flughafen BER drei mal so hoch wie am Flughafen Tegel geschätzt. Betroffen hiervon sollen im Gegensatz zum Flughafen Schönefeld die Bewohner des Berliner Südens sein.

Somit ist die private Situation der Anwohner ausführlich belichtet. Verschiedene Bürgerinitiativen wie beispielsweise die Initiative "Berlin Südwest gegen Fluglärm" sammeln Unterschriften, um gegen diese Regelungen zu protestieren. Die genannte Initiative vertritt die Berliner Südgebiete, genauer genommen die Ortsteile Lichterfelde, Lankwitz, Zehlendorf, Steglitz, Dahlem, Grunewald und Marienfelde. Dem gegenüber stehen mehrere Unternehmen, die ihre wirtschaftlichen Ziele verfolgen, und für die eine Durchsetzung oder Verschärfung des Nachtflugverbotes ein herber Rückschlag bedeuten würde. Allem voran die Fluggesellschaften, die ihren Sitz an den Berliner Flughäfen haben, befürchten eine Schwächung im Konkurrenzkampf mit anderen Fluggesellschaften, sollten die zahlreichen Bürgerinitiativen erfolgreich sein. Das Problem ist folgendes: Fluggesellschaften wie AirBerlin oder Germanwings müssten mit ihren Maschinen bereits früher am jeweiligen Heimatflughafen sein, als andere Unternehmen wie Lufthansa oder Ryanair, die in Frankfurt landen. Der Arbeitstag der Berliner Fluggesellschaften wäre durch das Nachtflugverbot zwangsweise früher beendet als der der Konkurrenzunternehmen, was gleichermaßen ein Verlust mit sich bringen würde.

Alles in allem handelt es sich um einen Sachverhalt, bei dem man beide Seiten berücksichtigen muss und der einigen Zündstoff mit sich bringt, sodass die Findung eines Kompromisses auch in Zukunft nicht einfach sein wird. 

 

hinzugefügt am: 24.02.2021
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