Das Branchenbuch mit dem Plus an Informationen

27.06.2023, 10:27:41

Wer gut zuhört, braucht keine Glaskugel

(Stuttgart) - Dr. Walter Rogg, Gründungsgeschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, wird im Juli 2023 in den Ruhestand gehen. In den vergangen fast drei Jahrzehnten hat er die Entwicklung der Region nachhaltig geprägt. Auch die Gründung der BioRegio STERN Management GmbH wurde von ihm begleitet, als Aufsichtsrat und Gesellschafter hat er maßgeblich zum Erfolg der hiesigen Life-Sciences-Branche beigetragen. Wer als Journalist bei einer Zeitung und beim Radio gearbeitet hat, genießt bei Interviews womöglich einen kleinen Vorteil. Dr. Walter Rogg, der 28 Jahre lang die Geschicke der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, WRS, geleitet hat und sich nun in den Ruhestand verabschiedet, konnte diesen Vorteil in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder nutzen: "Nach meiner Beobachtung haben Politik und Journalismus ein nicht ganz einfaches Verhältnis. Die Politiker beneiden die Journalisten, weil sie sagen und schreiben dürfen, was sie wollen. Politiker meinen, dass sie sich immer taktisch verhalten müssen. Und einige der Journalisten, die über Wirtschaft und Politik schreiben, würden es vielleicht gerne mal selbst versuchen. Zu denen gehörte wohl auch ich." Was ihn brennend interessierte, war, wie Politik funktioniert. Nach seinem Studium und der Promotion in Politischen Wissenschaften in Tübingen, einem Zeitungsvolontariat und einer Tätigkeit beim Hörfunk, entschied er sich, dahin zu gehen, wo Politik gemacht wird und wurde Leiter im Referat Presse, Öffentlichkeit und Standortwerbung des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums. Dann fiel 1989 die Berliner Mauer. "Im Januar 1990, und da gab es immerhin noch die DDR, wurde jemand gesucht für ein Informations- und Kommunikationsbüro in Dresden für ganz Sachsen. Das war das Interessanteste, das war erlebte Geschichte. Ich habe gesehen, wie über die Augustusbrücke die Bürgerbewegung kam und die Wiedervereinigung forderte, während gleichzeitig aus dem Residenzschloss die Freie Deutsche Jugend mit DDR-Fahnen und dem Ruf "DDR unser Vaterland" aufmarschierte", erzählt Dr. Rogg. "Dann hat Kurt Biedenkopf als Sächsischer Ministerpräsident eine eigene sächsische Wirtschaftsförderungsgesellschaft ins Leben gerufen, deren Gründungsgeschäftsführer ich wurde. Das war unglaublich spannend. Die Beziehungen Sachsens nach Osten, die früheren Staaten des Warschauer Vertrags, die Sowjetunion, ich war ständig unterwegs. Wir hatten 30 Büros nicht nur in Sachsen, sondern auch in Afrika, Kanada, Japan, überall, die alle zu meiner Wirtschaftsförderung gehörten." Echtes Neuland Nach Baden-Württemberg kehrte er 1995 aus privaten Gründen zurück und wurde erneut Gründer: diesmal als Geschäftsführer der neuen Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Verbands Region Stuttgart, der WRS. Die Region Stuttgart ist der stärkste Wirtschaftsstandort Baden-Württembergs: auf 10 Prozent der Landesfläche werden von 26 Prozent der Erwerbstätigen rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Land erwirtschaftet. Die Region umfasst die fünf Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr sowie den Stadtkreis Stuttgart. In insgesamt 179 Städten und Gemeinden leben rund 2,8 Millionen Menschen. Sich für die WRS entschieden zu haben, hat Dr. Rogg nie bereut - und den Journalismus für die Wirtschaftsförderung aufgegeben zu haben auch nicht: "Letztlich muss ich, wie zuvor als Journalist auch, vor allem spannende neue Themen finden." Eines der spannendsten ist die Biotechnologie, obwohl damals viele Menschen mit dieser Branche fremdelten. Mit der BioRegion STERN wurde ein Netzwerk geschaffen, das in vielerlei Hinsicht echtes Neuland war. Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Biotechnologie war nicht auf die Region Stuttgart beschränkt, sondern wurde auf den Raum Neckar-Alb mit den Städten Reutlingen und Tübingen ausgedehnt. Im Jahr 2001 war es schon eine kleine Sensation, dass plötzlich Städte Partner wurden, die an sich eher im Wettbewerb mit der Region Stuttgart stehen. "Anfangs war das nicht ganz konfliktfrei, man hat sich ein wenig misstrauisch beäugt", erinnert sich Dr. Rogg. "Aber es ging darum, Menschen zu einem neuen spannenden Thema zusammenzubringen. Letztlich hat das wunderbar funktioniert. Nach den ersten Holprigkeiten hat es sich prima entwickelt. Aufgrund der Kooperation in der BioRegion STERN ist aus der Beziehung der Region Stuttgart zur Region Neckar-Alb ein ganz vertrauensvolles, enges und lebendiges Verhältnis geworden." Heute zählt die BioRegion STERN zu den großen und erfolgreichen BioRegionen in Deutschland. Ihr wichtigstes Alleinstellungsm


Close