Das Branchenbuch mit dem Plus an Informationen

17.09.2021, 00:00:00

Projekte für nachhaltigen Tourismus in ISrael

Für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum ist Nachhaltigkeit zunehmend ein wichtiger Faktor bei Konsumentscheidungen. Dies betrifft auch das Reisen. Nachhaltiger Tourismus, der ökologisch behutsam, wirtschaftlich nachhaltig und gesellschaftlich integrativ wirkt, hat in Israel bereits seit längerem einen hohen Stellenwert. Vom 20. bis zum 26. September 2021 findet nun die Europäische Woche für nachhaltige Entwicklung (ESDW) statt, eine Initiative der Europäischen Union zur Förderung nachhaltiger Entwicklungen. Im Rahmen dieser Themenwoche anbei Näheres zu zahlreichen ambitionierten Pilot- und Leuchtturmprojekten, mit denen Israel dem Interesse seiner Gäste an einem nachhaltigen Reiseziel Rechnung trägt.

Das "veganste Land der Welt" - Tel Aviv als seine Welthauptstadt
In der israelischen Bevölkerung ist der Nachhaltigkeitsgedanke allgemein sehr stark verankert. Das Land ist international Vorreiter in zukunftsweisenden Entwicklungen sowie technologischen und gesellschaftlichen Trends: Viele Startups, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, entwickeln Lösungen für ressourcenschonende Landwirtschaft. Auch in puncto Ernährung und Lebensstil geht Israel in vielerlei Hinsicht voran: So gilt es mittlerweile als "das veganste Land der Welt", denn zwischen fünf und acht Prozent der Bevölkerung ernähren mittlerweile sich ganz ohne tierische Produkte. Dies entspricht mehr als 450.000 Einwohnern. Zudem hat sich die Mittelmeermetropole Tel Aviv mit ihren mehr als 400 veganen Restaurants bereits den Ruf als "Welthauptstadt der Veganer" erworben. Tel Aviv ist zudem die erste Stadt in Israel, die ein veganes und ethisches Mode-Pop-up-Event veranstaltet, das mit ähnlichen Veranstaltungen in Paris und Los Angeles korrespondiert: Das F.A.K.E-Festival steht für Fashion for Animal Kingdom and Environment und ist eine Modebewegung, die tierversuchsfreie und ethische Mode vertritt.

Wadi Attir: Beduinenprojekt für Wissenserhalt und Technologietransfer
Der Modellbauernhof Wadi Attir in der Wüste Negev wirkt in zwei Richtungen: Er bewahrt das Wissen der Beduinenbevölkerung und lässt diese gleichzeitig an modernem Know-how teilhaben - ein Technologietransfer in beide Richtungen. Das Projekt wurde von der Initiative The Sustainability Laboratory oder kurz: The Lab in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat von Hura initiiert, einem beduinischen Dorf im Südbezirk Israels, 15 Kilometer nordöstlich von Be'er Scheva. Der nachhaltige Landwirtschaftsbetrieb vertritt einen ganzheitlichen Ansatz, der die örtliche Gemeinschaft mit ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz, die natürlichen Rahmenbedingungen und heutiges Wissen in vielen Disziplinen einbezieht. Insofern hat es Modellcharakter für andere Trockengebiete auf der ganzen Welt. Das Projekt wurde von Dr. Michael Ben-Eli, dem Gründer von The Sustainability Laboratory, entwickelt.

Ökologisch relevant ist der Bereich der Heilkräuter, die auf Grundlage tradierten Beduinenwissens systematisch zur kommerziellen Herstellung von Medizin, aber auch Kosmetikproduktion angebaut werden. Ein weiterer Bereich ist dem Anbau endemischer Gemüsesorten gewidmet, die seit jeher an Klima und Bodenbeschaffenheit angepasst sind. Traditionelle Nutztierhaltung und die Erzeugung von Milchprodukten sind eine weitere Säule des Betriebs. Neben Tradiertem kommen hier innovative Technologien zum Einsatz wie Mikro-Berieselungssysteme zur Bewässerung, Energiegewinnung aus Sonne und Biogas sowie "grünes" Bauen.

Auch in sozioökonomischer und gesellschaftlicher Hinsicht ist Wadi Attir interessant: Der Betrieb schafft wertvolle und sinnstiftende Arbeitsplätze in einer Region, die wenige Optionen zu bieten hat. Die Mitarbeiter repräsentieren alle Bereiche der israelischen Gesellschaft: Beduinen und Städter, Arbeiter und Akademiker, Kenner des Alten und des Neuen - sie alle arbeiten an einer Vision. Zudem kooperieren hier zehn verschiedene Beduinenstämme miteinander. Unter den Gründern finden sich Frauen, die innerhalb der Initiative Führungspositionen bekleiden wie Lina Alatawna als CEO von Wadi Attir. Dies ist in Israel als einem Land der starken Frauen ohnehin keine Seltenheit.

Dieselfrei und elektrifiziert in der Stadt - Pilot- und Leuchtturmprojekte
Die Hafenstadt Haifa im Norden des Landes machte 2018 als erste israelische Stadt den Anfang in Richtung Clean Air City und Niedrigemissionszone (low emission zone, LEZ), um die örtliche Luftverschmutzung nachhaltig zu reduzieren. Mit Jerusalem und Tel Aviv zogen 2020 zwei weitere Metropolen nach. In der Mittelmeermetropole Tel Aviv soll bereits in wenigen Monaten das Diesel- Fahrverbot für Euro-4-Fahrzeuge, ausgenommen Privatfahrzeuge, im gesamten Stadtgebiet durchgesetzt werden. Zusätzlich werden in einem zweiten Schritt ausgewählte Bezirke nur noch für Fahrzeuge der Euro-6-Norm zugelassen sein. In Jerusalem wurde die erste Phase des Projekts Clean Air City im Februar 2020 eingeleitet,



Close