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16.04.2026, 17:44:01

Frequentis digitalisiert Notfalldienste und Eisenbahnen

Das Wiener Unternehmen Frequentis stand zuletzt vor allem wegen seiner Drohnentechnologien im öffentlichen Rampenlicht. Der Spezialist für sicherheitskritische Applikationen für Kontrollzentralen entwickelt hier unter anderem drohnengestützte Aufklärungssysteme, um den Flugverkehr von Drohnen in den Luftraum zu integrieren. Weniger im Blickpunkt stehen dagegen aktuell die technologischen Neuerungen im Brot-und-Butter-Geschäft von Frequentis, den digitalen Lösungen für Blaulichtorganisationen und Eisenbahnen. Innerhalb des Unternehmens sind die entsprechenden Produkte und Lösungen im Segment Public Safety and Transport angesiedelt, der für 30% des Konzernumsatzes steht.

LifeX für die Rettungsdienste

Mit der digitalen Multimedia-Kommunikationsplattform LifeX hat Frequentis ein Produkt zur Marktreife entwickelt, das auf die Anforderungen von Feuerwehren und anderen Rettungsdiensten zugeschnitten ist. LifeX integriert zum einen die Sprach-, Video- und Datenkommunikation der Rettungsdienste. Zum anderen lassen sich mit dem Sprachdialogsystem IVR (Interactive Voice Response) Notrufe effizient priorisieren.

Gerade in Ausnahmesituationen wie Unwettern oder Überschwemmungen müssen die Notdienst-Leitstellen aufgrund personeller Mängel die Vielzahl der eingehenden Notrufe priorisieren, um die angemessene Hilfe und Versorgung vor Ort sicherzustellen. LifeX bietet hier eine wichtige Hilfestellung für das Management der Notfalleinsätze, und zwar im Hinblick auf die Koordination der Einsatzkräfte wie auch zur schnellen Entscheidungsfindung.

MissionX als Wegbereiter für multimediale Kommunikation

In technologischer Hinsicht adressiert Frequentis mit LifeX die notwendige Digitalisierung in den Kommunikationssystemen der Notrettungsdienste. So nutzen die Blaulichtorganisationen in Deutschland aktuell noch den abhörsicheren BOS-Digitalfunk auf TETRA-Basis (Terrestrial Trunk Radio). Entwickelt wurde dieser seit den neunziger Jahren bei sicherheitskritischen Anwendungen stufenweise eingeführte Technologiestandard für Funkgespräche zwischen Einsatzkräften und Leitstellen. Multimediale Inhalte wie Bilder, Videos, Standortdaten oder Positionsinformationen lassen sich damit jedoch nicht übertragen.

Die international standardisierte Plattform MissionX ermöglicht hier die Kommunikation und den Informationsaustausch über 4G- und 5G-Netze. MissionX ist Teil eines umfassenden Umsetzungskonzepts für Deutschland, das Frequentis 2024 unter dem Titel Der smarte Weg erstmals auf dem Europäischen Polizeikongress vorstellte. Einsatzleitungen können damit gleichzeitig in Echtzeit Drohnenbilder empfangen, den Einsatz von Einheiten per Gruppenkommunikation koordinieren und in verschlüsselten Chatgruppen zu Rückfragen Stellung nehmen. Notfalldienste erhalten bereits auf dem Weg zum Einsatzort erste Bilder vom Geschehen und können frühzeitig einschätzen, welche Maßnahmen prioritär zu setzen sind. Gerade grenzüberschreitende Einsätze lassen sich damit besser koordinieren. Ebenso internationale Fahndungen oder der Aufbau eines europaweiten Erste-Hilfe-Systems.

MissionX ist ein Produktportfolio, das sich stufenweise implementieren lässt, angefangen von der Pilotierung über die schrittweise Skalierung, skizziert Manuel Hintermayr, Director Mission Critical Services bei Frequentis. Dabei ist ein großer Pluspunkt die von Frequentis entwickelte offene Plattform MissionX mit Fokus auf globalen Standards in der sicherheitskritischen Kommunikation. Diese Technologie bringt als weiteren großen Vorteil die Nutzung von modernen IT-Architekturen und Sicherheitsstandards - gerade vor dem Hintergrund, dass TETRA hier 2023 negative Schlagzeilen lieferte: Die Verschlüsselungen sind hier umfassender und dynamisch umsetzbar. Darüber hinaus lässt sich die Zugriffskontrolle schneller und durchgängiger handhaben. Die bestehenden Sicherheitsfeatures von 4G/5G-Netzen ermöglichen höhere Cybersecurity-Standards.

Flexible Schnittstellen, schrittweise Implementierung

Die Mission Critical Services laufen auf einer IT- und Mobilfunk-Infrastruktur, die auf technologieübergreifenden und anbieterunabhängigen Standards basiert. Im Gegensatz zu TETRA gibt es damit für die Kunden keine Abhängigkeit von Komplettlösungen bei Hardware und Software von einem bestimmten Hersteller. Endkunden haben dadurch mehr Beinfreiheit bei Inbetriebnahme, Applikationen, Services und der Wahl der Endgeräte. Die über MissionX verlaufende Kommunikation kann über öffentliche Mobilfunknetze, speziell abgesicherte Netze, oder auch über Satellitenanbindungen stattfinden. In MCX eingebundene Apps für Smartphones mit Multimedia-Handling oder andere Geräte wie Drohnen oder IoT-Geräte (Internet of Things) sorgen dafür, dass alle wichtigen Informationen jederzeit verfügbar sind.

Kunden können die neue Technologie schrittweise in ihre Prozesse implementieren. Für den Übergang existieren standardisierte Schnittstellen, damit TETRA- und MCX-Talkgroups miteinander kommunizieren können. Folgende Testprojekte sind hervorzuheben: Die Applikation MissionXConnect erprobt am Flughafen Frankfurt die Integration von MCX-Diensten in komplexe Infrastrukturen. Das Programm DroneResponseNet testet den BOS-konformen Drohneneinsatz mit Rückkanal in die Leitstelle. Hybrid-Eins wiederum entwickelt Strategien für einen einfachen Parallelbetrieb von TETRA und MCX - als realistisches Übergangsszenario für viele Organisationen, die bei Frequentis als potenzielle Auftraggeber in Frage kommen.

Erste wegweisende Erfolge

Den ersten großen, strategisch wichtigen MCX-Auftrag hat Frequentis im Januar 2025 in Großbritannien an Land gezogen. Das britische Emergency Services Network (ESN) löst das alte TETRA-Funksystem ab und bindet alle Leitstellen an ESN an. Die britische Regierung entschied sich dabei für IBM als Hauptlieferanten für den Aufbau eines neuen Kommunikationsnetzwerks der Notfalldienste. Frequentis soll als einer der Partner seine MCX-Lösungen bereitstellen, damit in Zukunft alle Leitstellen von Polizei, Feuerwehr und Rettung mit den mehr als 300.000 Einsatzkräften im Feld über das ESN-Netzwerk mit Sprache, Daten und Video in Echtzeit kommunizieren können.

Den nächsten Etappensieg feierte Frequentis im April 2025, als die sicherheitskritische BOS-Breitbandkommunikation erstmals in einem öffentlichen Mobilfunknetz priorisiert wurde. In Kooperation mit Vodafone wurde die BOS-Bevorrechtigung in einem öffentlichen MCX-fähigen Mobilfunknetz umgesetzt. Die Priorisierung erfolgt über die von Frequentis und Vodafone gemeinsam implementierte 3GPP-Schnittstelle. Frequentis hat dazu eine MCX-fähige mobile App entwickelt, die eine Verkehrstrennung von priorisierter und nicht-priorisierter Kommunikation ermöglicht.

Ein Qualitätssiegel für diese mobile App und damit die führende technologische Position der Frequentis-Lösungen ist die dafür erhaltene branchenweite Auszeichnung. Die Frequentis-Lösung MissionX Android SDK (Software Developer Kit) wurde 2025 in der Kategorie Best MCX Product or Solution of the Year als erste vom Global Certification Forum (GCF) zertifizierte MCX-Plattform auf der ICCA-Messe in Brüssel aus über 50 Beiträgen mit dem International Critical Communications Award (ICCA) prämiert. MissionX Android SDK ist ein Software Developer Kit, mit dem individuelle Applikationen für Mobilgeräte entwickelt werden können. Dies ermöglicht es Organisationen der öffentlichen Sicherheit und Verkehrsunternehmen wie Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben, sichere standardbasierte Breitbandfunktionen in ihren Anwendungen wie z. B. Push-to-Talk oder auch Video- und Daten-Funktionen zu integrieren. Ganz im Sinne des Gedankens einer offenen Plattform für verschiedenste Applikationen.

Von Europa startet die Expansion

Innerhalb Europas hat Frequentis über das EU Critical Communication System (EUCCS) einen Fuß in der Tür zu den anstehenden Ausschreibungen potenzieller Auftraggeber. Hier leitet die Gesellschaft eines von vier Konsortien, die sicherstellen, dass verschiedene nationale Netze und Systeme grenzüberschreitend im Sinne der europäischen Zusammenarbeit nahtlos miteinander kooperieren können. Die aufgebaute technologische Expertise wird Frequentis erleichtern, bei künftigen Ausschreibungen zum Zuge zu kommen. Die langfristige internationale Expansionsstrategie skizziert Frequentis-Manager Hintermayr mit den Worten Zunächst in Europa, in einem späteren Schritt auch in anderen Märkten wie Naher Osten, Südostasien oder Australien.

Einsatz in der Eisenbahn

Neben den Blaulichtorganisationen arbeitet Frequentis daran, mit MCX auch auf der Schiene ältere Systeme wie GSM-R abzulösen und den Übergang zur 5G-basierten Lösung FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) zu ermöglichen. Unter anderem mit der heimischen ÖBB hat das Unternehmen im September 2024 einen ersten Vertrag abgeschlossen. Darin ist vorgesehen, dass Frequentis für die von der ÖBB geplante Umstellung auf FRMCS einsatzkritische Dienste in realen Bahnumgebungen testet. Ziel dieser Tests ist es, die Integration der FRMCS-Technologie in den künftigen Betrieb der ÖBB zu bewerten. FRMCS soll die Kommunikation in Echtzeit bei wichtigen Betriebsabläufen im öffentlichen Verkehr garantieren, ebenso die Sicherheit in Umgebungen mit hohem Druck aufgrund von hohem Verkehrs- und Personenaufkommen. Das FRMCS-System lässt sich in das bestehende GSM-R-Netzwerk der ÖBB integrieren und unterstützt mobile Endgeräte mit 5G-Technologie.

Starkes Geschäftsjahr 2025

Im Segment Public Safety and Transport werden sich umsatzwirksame Aufträge mit MCX bei Blaulichtorganisationen und Eisenbahnen in den nächsten Jahren positiv niederschlagen. Unabhängig davon bescheren die wachsenden technologischen Anforderungen in der Flugsicherung, der Luftverteidi



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