Die Insolvenzwelle verspätet sich
Zahlreiche Unternehmen mussten aufgrund der beschlossenen Maßnahmen ihren Geschäftsbetrieb vorübergehend schließen, was zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt hat. Die Kosten hingegen laufen weiter und so stehen viele Unternehmen diverser Branchen vor großen finanziellen Schwierigkeiten. Dass sich einige dieser Unternehmen nicht mehr davon erholen können, ist leider abzusehen.
Entgegen den meisten Prognosen ist die Insolvenzwelle 2021 bisher aber ausgeblieben. Zwar leidet die Wirtschaft sehr stark unter den Einschränkungen der Corona-Politik, bisher hat die Pandemie allerdings nicht so viele Insolvenzen ausgelöst, wie ursprünglich angenommen wurde. Demnach lag die Zahl der Insolvenzen 2020 lediglich bei knapp 17.000. Im Jahr zuvor waren es noch ca. 18.800.
Wie erklärt sich die niedrige Zahl der Insolvenzen?
"Dass die Insolvenzwelle bisher noch nicht losgetreten wurde, liegt unter anderem an den vom Staat ausgezahlten Fördermitteln für Unternehmen", sagt Bernhard Niemann, Sanierungs- und Restrukturierungsberater bei InsoPrevent - Unternehmenssicherung.
Vor allem während des ersten Lockdowns im März 2020 flossen die staatlichen Gelder sehr schnell. Die Bundesregierung hat in Rekordtempo ein Hilfspaket geschnürt, um Unternehmen und Selbstständige so schnell und so gut wie möglich zu unterstützen. Weitere finanzielle Hilfen gab es auch, als der zweite Lockdown im November beschlossen wurde. Auf diese Weise konnte das Überleben vieler Unternehmen (zunächst) gesichert werden.
Allerdings haben diese Gelder auch Unternehmen erhalten, die sich schon vor Corona in einer Krise befunden haben. Zudem wurde aufgrund der Corona-Pandemie die Insolvenzantragspflicht bis Ende September 2020 ausgesetzt.
Viele Unternehmen, darunter hauptsächlich Kleinbetriebe, die vorübergehend zahlungsunfähig waren bzw. sind, hatten dadurch die Hoffnung, sich von den immensen Umsatzeinbußen zu erholen und keine Insolvenz anmelden zu müssen. Andere Kleinunternehmen haben - statt über eine spätere Insolvenz nachzudenken - ihren Geschäftsbetrieb dauerhaft eingestellt und das sinkende Schiff verlassen, bevor es zu einer Zahlungsunfähigkeit kommt.
"All dies zeigt, dass die Anzahl der Insolvenzen aktuell wenig über die tatsächliche wirtschaftliche Situation in Deutschland aussagt. Das Ausmaß der Wirtschaftskrise wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen", so Bernhard Niemann.
Insolvenzursachen 2020
Bei der Untersuchung der im Jahr 2020 angemeldeten Unternehmensinsolvenzen hat sich jedoch herausgestellt, dass die meisten Unternehmen nicht aufgrund von Corona liquidiert wurden. Fast die Hälfte der insolventen Unternehmen musste ihre Geschäftstätigkeit aufgrund von operativen Ursachen aufgeben. Laut Niemann gehören hierzu u. a.:
- Fehlendes oder mangelhaftes Controlling
- Schlechtes Personalmanagement
- Fehlerhafte Kostenstruktur
- Schlechte Unternehmensorganisation
Nach den operativen Ursachen ist höhere Gewalt Insolvenzursache Nummer zwei. Neben Naturkatastrophen und Terrorakten gehören auch Pandemien zu dieser Kategorie. Knapp 14 Prozent der aktuellen Insolvenzen beruhen demnach auf der Corona-Pandemie und den entsprechenden Einschränkungsmaßnahmen der Politik. Das ist deutlich weniger als erwartet.
Ähnlich viele Insolvenzen gehen auf Gründungsfehler zurück. Diese werden beispielsweise dann gemacht, wenn der Unternehmensgründer nicht über das erforderliche Know-how verfügt und sich nicht als Unternehmer eignet. Dazu gehört auch, sich keine fachkundige Beratung zu nehmen. Fast ebenso häufig führte fahrlässiges Verhalten zu einer Insolvenz.
Deutlich seltener sind die Fälle, für die es strategische Ursachen gibt. Diese belegen mit rund sechs Prozent einen der hinteren Plätze. Hierzu zählt vor allem zu spätes oder falsches Handeln bei Marktveränderungen. Noch seltener sind nur noch externe Ursachen. Von externen Ursachen wird gesprochen, wenn die eigene Insolvenz durch äußere Umstände wie beispielsweise der Insolvenz eines wichtigen Kunden oder Geschäftspartners oder der negativen Entwicklung rechtlicher Rahmenbedingungen ausgelöst wird.
Corona als Katalysator
Doch auch, wenn Corona nur in wenigen Fällen ursächlich ist, so dient die Pandemie dennoch als Katalysator. Unternehmen, die sich aus anderen Gründen in eine finanziell schwierige Lage manövriert haben, bekommen durch die Corona-Krise schließlich den letzten Dolchstoß verpasst. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass gesunde Unternehmen eine b