Am Ende bleibt der Anfang" - Gedanken einer Textdichterin
Seit dem 20.06.2025 ist unser 5. Ronny Krappmann-Album "Am Ende bleibt der Anfang" erhältlich - ein besonderer Tonträger in vielerlei Hinsicht.
In den letzten Wochen bzw. seit Ronnys Comeback Ende 2024 habe ich über meine Website viel Zuspruch interessierter Fans und Wegbegleiter zu unserer Musik bekommen, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Ich habe diese Mails gesammelt und mir im Vorfeld der jetzigen Veröffentlichung etwas Zeit genommen, auch ein paar der darin befindlichen Fragen zu beantworten. Ich bin sehr dankbar, unsere CD nun endlich in den Händen halten zu dürfen, denn von der Idee bis zur fertigen Umsetzung sind fast 2 Jahre vergangen, die nicht immer ganz einfach waren…
Interview:
Wie viele Texte hast du schon für Ronny Krappmann geschrieben?
Ich musste tatsächlich selbst erst einmal nachzählen und bin inklusive des neuen Albums auf 70 gekommen. Neben Gerd Christian (72 Texte) gehört Ronny damit zu den beiden Künstlern, die mir seit über 25 Jahren exklusiv ihr Vertrauen schenken. Das ist in dieser schnelllebigen Musikbranche selten geworden.
Warum textest du gern für Ronny?
Ronny ist unheimlich vielseitig und wandelbar. Seine Stimme zeichnet sich sowohl als Sprecher wie auch als Sänger durch hohen Wiedererkennungswert aus und berührt mich als Textdichterin. Zudem hat Ronny mir immer das Gefühl gegeben, ein fester Bestandteil seines Teams zu sein. Zusammen mit unserem Komponisten Andreas "Goldi" Goldmann sind wir künstlerisch miteinander und aneinander gewachsen. Für ein Album ALLE 20 Texte geschrieben zu haben, ist für eine Autorin etwas ganz Besonderes. Das erlebt man heute nicht mehr oft.
Welches ist dein Lieblingslied auf dem neuen Album?
Für mich besteht irgendwie das ganze Album gerade aus Lieblingsliedern, da ich mit jedem Song kleine Geschichten oder besondere Momente aus der jeweiligen Entstehungszeit verbinde. Hervorheben würde ich aus textlicher Sicht auf jeden Fall "Ich lebe zweimal" und "Blind" von den neuen Titeln, "Wo ist dein Stern" und "Schau in dein Herz" von den älteren. Auch das "Wehrlos" wieder auf einer CD erhältlich ist, freut mich sehr, da das gleichnamige erste Album aus dem Jahr 2000 vergriffen ist. Stolz bin ich vor allem auf die immense musikalische Bandbreite unserer Songs.
Teilst du einen besonderen Moment mit uns?
Der Titel "Du kommst zurück" erinnert mich immer an kalte Füße. Wir waren im Rahmen einer TV-Aufzeichnung in Seiffen (Erzgebirge) und hatten das Demo zu diesem Song mitbekommen. Ronny und ich saßen im Auto vorm Hotel bei etwa minus 10 Grad. Unsere Zehen waren mittlerweile zu Eisklumpen mutiert, aber da wir im Zimmer keinen CD-Player hatten und so schockverliebt in diesen neuen Song waren (im Original eine Ballade vom Album "Solang du träumst"), blieben wir einfach sitzen und haben gefühlt 100x dieses Lied gehört. Die Trompete, die den Song musikalisch trägt, hat Goldi übrigens live eingespielt.
Wie lange brauchst du, um einen Text zu schreiben?
Das ist ganz unterschiedlich. Ich arbeite heute anders als früher. Ich würde sagen bewusster. Ich war auch nie ein Vielschreiber und musste täglich einen Text fertigbekommen, um mit mir zufrieden zu sein. Es gibt Texte, die fließen einfach so aus mir heraus. "Im Himmel fehlt heut ein Engel" war ein 30 Minuten Werk. "Wo ist dein Stern" - obwohl der Text sehr lang ist - ebenfalls. So etwas passiert aber eher selten. Es gibt auch Tage, da gelingt gar nichts. Kreative Prozesse haben ihre eigene Regie. Heute fange ich oft mehrere Texte parallel an und arbeite dann stückweise weiter. Texten ist wie puzzeln. Manchmal hast du 800 Teile Himmel, dann dauert es länger. An "Blind" und "Ich lebe zweimal" habe ich etwa ein Jahr gepuzzelt... Und wahrscheinlich war es erst Version 240, die ich dann als fertig empfunden habe.
Wann ist ein Text fertig?
Das ist eine gute Frage. Und die Antwort lautet: "Frag deinen Bauch".
Es sagt mir niemand, wann ein Text fertig ist. Das muss ich selbst entscheiden. Und auch das Wort "fertig" ist relativ. Wenn ich den Text abgebe, wird er umgehend beurteilt. Vom Komponisten, vom Künstler, vom Produzenten, der Plattenfirma, der Familie, den Fans, dem Hausmeister usw. Diese Beurteilungen sind subjektiv, das muss man verstehen und manchmal auch aushalten lernen. Ich bin Teil eines Teams, manchmal auch eher Dienstleister, denn ich singe ja nicht selbst und lege den Künstlern die Worte mehr oder weniger "nur" in den Mund. Auf Ronnys Alben und auch auf denen von Gerd Christian darf ich als Textdichterin aber 100%ig ich selbst bleiben. Auf diese Art werden besondere Songs möglich und man wächst über sich hinaus…
Ein Wort zu "Ich lebe zweimal"...
Es ist der authentischste, berührendste und liebevollste Song des Albums. Ein Sprechlied mit Goldis wunderschöner musikalischer Untermalung. Thematisch einer der schwierigsten Texte, an denen ich in meinem Leben gearbeitet habe. Aber dieser Herausforderung wollte ich mich gern stellen, um Ronny ein eigenes Lied für seinen Jungen zu schreiben, das zum einen Trauer, Rückzug und Verarbeitung vermittelt, aber zum anderen auch den Gedanken an das Weitermachen, Loslassen lernen und innere Stärke zulässt. Es ist das Schlimmste überhaupt, wenn Kinder vor ihren Eltern gehen. Noch dazu, wenn man sie 17 Jahre auf diese besondere Art und Weise begleitet hat. Ronny und Casper waren ein Team. Wer die beiden erlebt hat, wusste, da passt kein Blatt Papier dazwischen. Einen solchen Verlust in Worte umzusetzen, war Seelenarbeit. Ich habe Ronny im Laufe vieler Gespräche zugehört und seine eigenen Gedanken mit darin einfließen lassen. Der Song soll auch all denjenigen Trost spenden, die ein ähnliches Schicksal teilen.
Du hast dir trotz deiner früheren Erfolge (Musikautorenpreis der GEMA, rund 700 Texte) mit der Arbeit in deiner Naturheilpraxis ein zweites Standbein geschaffen. Warum?
Nun, alles hat seine Zeit. Die Schlagerbranche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Leider in meinen Augen in vielerlei Hinsicht nicht zum Guten. Die Medien entziehen unserem Genre mehr und mehr die Lebensgrundlage und damit auch die Freude daran, neue Lieder zu schreiben. Viele meiner Musikerkollegen aus dem Business haben mittlerweile Zweitjobs. Das sogenannte "Formatradio", die oft gesichtslosen, unerreichbaren Musikberater, das langsame Sterben so ziemlich aller wertigen Unterhaltungsshows im Fernsehen - vor allem für gute Künstler aus der zweiten Reihe und Newcomer - macht es kompliziert, motiviert zu bleiben. Auch das fair entlohnende Veranstaltungsgeschäft tut sich seit Corona schwerer denn je. Mit jedem Lied gehen Autoren, Plattenfirmen und Künstler in massive zeitliche und finanzielle Vorleistung. Viele Rädchen müssen ineinandergreifen, bis eine Veröffentlichung zustande kommt. Heute stehen aber leider Aufwand und Nutzen dafür kaum noch im Verhältnis. Mit einem Klick wird gelöscht, woran man Wochen oder Monate gearbeitet hat. Desinteresse und Ignoranz machen sich breit. Am Ende musst du immer wieder von vorne beginnen. Das ermüdet mit der Zeit. Wenn ich Radio höre, habe ich oft das Gefühl, wir sind irgendwo im vorigen Jahrtausend stehen geblieben. Die Technik entwickelt sich rasant weiter, aber wir bekommen nahezu ausschließlich Oldies um die Ohren. Kein Wunder, dass jeder sich seine eigene Playlist bastelt und Kinder mit Netflixserien aufwachsen anstatt wie unsereiner mit "Ein Kessel Buntes" oder der "ZDF-Hitparade". Wenn Schlager-Altmeister, wie Roland Kaiser, Howard Carpendale und Co. mal in Rente gehen, wird es schwierig, dieses Genre überhaupt aufrecht zu erhalten. Langlebige Karrieren mit einem hohen bundesweiten Bekanntheitsgrad können so kaum noch entstehen. Zudem wird heutzutage vieles nicht über die musikalische Qualität, sondern reinweg medial gesteuert. Diesen Trend finde ich bedenklich, aber ich kann ihn nicht verhindern. Also muss man sich irgendwann hinterfragen, ob das, was man da tut, einen noch bis ins Alter hinein glücklich macht. Die Arbeit in meiner Naturheilpraxis hat mich von Anfang an mit menschlicher Wärme, Begegnungen auf Augenhöhe, regem Austausch, Geben und Nehmen und vor allem mit unheimlich viel Dankbarkeit erfüllt. Das kann ich von der Musikbranche leider nicht mehr behaupten, wenngleich für mich die Arbeit an Ronnys Album und für diesen Künstler generell ein Herzensprojekt war und auch in Zukunft bleiben wird, solange wir zusammen Musik machen dürfen.
Was wünschst du Ronny für sein neues Album "Am Ende bleibt der Anfang"?
Gesundheit und Akzeptanz.
Ich wünsche ihm, dass er nach den vielen schweren, entbehrungsreichen Jahren künstlerisch wieder Anschluss findet. Ich spüre einfach die Freude, die er ausstrahlt, wenn er auf der Bühne steht - egal ob als ausgebildeter, erfahrener Sänger, begnadeter Sprecher, humorvoller bis immens tiefgründiger, Moderator oder wandelbarer Erzähler in Verbindung mit dem wunderbaren Kreativteam des Sandtheaters - all das braucht umsichtige Förderer, ausgestreckte Hände, verdiente Chancen… Menschen, die sich wirklich für Kultur interessieren, Talent erkennen, niveauvolle Ideen entwickeln, nicht wegschauen und nur auf Altbewährtes oder Wiederholungen aus grauen Vorzeiten zurückgreifen. Mit einem Künstler wie Ronny wäre einfach so vieles möglich...
Apropos ausgestreckte Hände. Auch dieses Album läge ohne Unterstützung von außen jetzt nicht hier vor mir auf dem Tisch. Unsere Vertriebs- und Plattenfirma DA-Music hat nach dem Tod von Ronnys Sohn im Dezember 2023 sofort zugesagt, Ronny mit einer neuen CD zu unterstützen. Auch als das Projekt